Rückblick zur 2. Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET mit der DGPZM und der DGR²Z

 

Vom 12. bis 14. November 2015 fand die 2. Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET mit der DGPZM und der DGR²Z im Hotel The Westin Grand in München unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Edgar Schäfer (Münster) und Prof. Dr. Christian Gernhardt (Halle/Saale) statt. Mehr als 600 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung, die ein abwechslungsreiches Programm aus wissenschaftlichen Hauptvorträgen, Workshops und Symposien sowie Kurzvortägen und Postern.
 

Bildergalerie
 

  Downloads

Programmheft

Abstractband

 

 

Kongressbericht

Am Donnerstag begann der Kongress mit Workshops der DGET mit deutschen und internationalen Referenten, wie Prof. Martin Trope (Philadelphia/USA). Die Teilnehmer hatten hier Gelegenheit sich verschiedene Herstellerkonzepte genauer anzusehen und zu testen.


Hauptvorträge
Der Hauptkongress startete am Freitag mit den Grußworten des Präsidenten der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Christian Berger. Im Anschluss eröffneten Prof. Schäfer (Präsident der DGZ) und Prof. Gernhardt (Präsident der DGET) die Tagung und die Hauptvorträge der DGZ und DGET unter dem Motto „Endo United“.

Wie schon in den Jahren zuvor, waren einige Referenten aus dem Ausland geladen, so zum Beispiel Prof. Dr. Paul Lambrechts (Leuven/BE). Mit seinem Vortrag „Adventure to discover the anatomic, radiologic and histological complexity of external cervical resorption”, war er als erster Referent zu hören. Er gab in Form zahlreicher histologischer Bilder und Nano-CTs höchst interessante Einblicke in die Ätiologie externer Resorptionen. So zeigte er auf der einen Seite den Vorgang der Schmelz-, Dentin- und Zementresorption durch osteoklastenartige, mehrkernige Riesenzellen, und auf der anderen Seite die Reparatur dieser Gewebe durch Osteodentin. Osteoklastische Zellen werden durch Nervenfasern in der Pulpa inhibiert, so dass um die Pulpa herum eine resorptionsresistente Scheide entsteht, die dafür verantwortlich ist, dass von externen Resorptionen betroffene Zähne häufig vital bleiben. Die Eintrittspforten der resorptionsfördernden Zellen sind zumeist Risse im Bereich der Schmelz-Zement-Grenze. Zudem existieren auch immer Austrittspforten der Resorption in der Region des Apex. Als weiterer internationaler Referent war Dr. Adrián Lozano (Valencia/ES) zu hören. „Bioceramics: should it be in your mind?“ war die Fragestellung seines Vortrags. Er stellte verschiedene biokeramische Materialen anhand von Studien vor und erläuterte die Vorteile gegenüber dem bekanntesten bioaktiven Material MTA. Diese seien v.a. in einem besseren Handling der neuen Materialien zu sehen. Anknüpfend an den ersten Vortrag des Tages referierte Prof. Dr. Gabriel Krastl (Würzburg) über die Diagnostik und Therapie infektionsbedingter Resorptionen. Bei schweren Dislokationsverletzungen von Zähnen ist es das Ziel, durch eine frühe Diagnostik infektionsbedingte Resorptionen zu vermeiden. Diese entstehen immer durch eine Infektion des Endodonts. Vor allem nach der Intrusion von Zähnen ist deren Prognose durch den gleichzeitig auftretenden parodontalen Schaden besonders ungünstig. Ein adäquates endodontisches Management, wozu eine umgehend eingeleitete endodontische Therapie sowie die Einlage mit Corticosteroiden und Kalziumhydroxidpräparaten gehört, sollten Bestandteil der Therapie sein.

Bei einer Gemeinschaftstagung durften auch die Aspekte der Kariesprävention, -diagnostik und -therapie nicht fehlen. Prof. Dr. Elmar Hellwig (Freiburg im Breisgau) erläuterte Strategien zur Kariesprävention. Schon zu Beginn des Lebens könnten mit einer natürlichen Geburt und Stillen, die beide zu mehr Streptococcus mutans unterdrückenden Laktobazillen führen, Voraussetzungen für eine Senkung des Kariesrisikos geschaffen werden. Die optimale mechanische Beseitigung des Biofilms spielt in höherem Lebensalter eine größere Rolle als bei jungen Menschen. Eine wichtige Bedeutung wird nach wie vor der kariesprophylaktischen Wirkung von Fluoriden zugesprochen. Fluoride bewirken eine Remineralisation von C1-Läsionen und haben gegenüber kalziumhaltigen Remineralisationsstrategien den Vorteil, dass die Zahnhartsubstanz im Anschluss säureresistenter ist. „Karies sicher erkennen und einschätzen“, lautete das Thema des Vortrags von Prof. Dr. Rainer Haak (Leipzig). Seine Botschaft an die Zahnärzteschaft: Es wird oft zu früh invasiv therapiert ohne erkennbaren Gesundheitsgewinn für den Patienten. Stattdessen sollten variable Therapieschwellen und eine spätere invasive Therapie das Ziel sein. Vor einer Behandlung besteht die Möglichkeit des Monitoring, zum Beispiel mittels Laserfluoreszenzverfahren, faseroptischer Transillumination, Röntgentechnik oder optischer Kohärenztomografie.

Den Abschluss des Tages bestritten die Referenten Prof. Dr. Wolfgang Buchalla (Regensburg) mit einem Vortrag über mehr Sicherheit bei der Kariesexkavation und Dr. Luc van der Sluis (Groningen/NL) über die Rolle der desinfizierenden Wirkung von Wurzelkanalspülungen.

Der Samstagvormittag im Hauptpodium begann aus traurigem Anlass mit einer Schweigeminute zum Angedenken der Opfer der Anschläge von Paris am Abend zuvor.

Zum Auftakt des wissenschaftlichen Programms gab dann Prof. Dr. Franklin Tay (Augusta/GA/US) einen vorzüglichen Überblick über das Thema „Spülzwischenfall“. Er zeigte auf, dass zwei Faktoren die Entstehung dieser Komplikation entscheidend beeinflussen: Neben zu hohem Druck beim Spülen, insbesondere beim Verklemmen der Spülkanüle, ist das Vorhandensein einer atypischen venösen Drainage, nämlich eines Shunts vom Apex in die oberflächlichen Venen des Gesichts, offenbar mitbestimmend über Ausbreitungsgrad und Schwere der Ödeme und Ecchymosen. Zur Vorbeugung wurden die Verwendung von Kanülen mit seitlicher Öffnung und eine Begrenzung der Flußrate auf max. 3,4ml/min angeraten. Auch der Einsatz des Endo Vac-Systems wurde empfohlen. Dr. Christine M. Sedgley (Portland/OR/US) gab einen breit angelegten Abriss zur Entstehung, Struktur und der Bekämpfung von Biofilmen in der Endodontie. Neben dem Einsatz von Natriumhypochlorit wurde auch EDTA als wirksam in der Zerstörung des Biofilms beschrieben, da dieses als Komplexbildner die Verfügbarkeit von Eisen herabsetze und so eine Destabilisierung des Biofilms verursache. Auf CHX hingegen sind insbesondere ältere Biofilme wenig empfindlich, so dass die Wirksamkeit in vivo als sehr gering beurteilt wurde. Eine signifikant effektivere Wirkung einzelner Systeme zur Optimierung der Wurzelkanalspülung (z. B. Endo Vac) in Bezug auf die Zerstörung des Biofilms im Vergleich zur PUI (Passive ultraschallaktivierte Spülung) sei nicht gegeben. Extraradikulärer Biofilm ist durch intrakanaläre Maßnahmen häufig nicht zu beseitigen und erfordert ggf. eine Wurzelspitzenresektion.

Der Nachmittag startete mit hoch beeindruckenden Bilder der Wurzelkanalanatomie von durch Dr. Holm Reuver (Neustadt) transparentgemachte Zähne (www.transparentmacher.de). Seine Aufnahmen machen jedes noch so kleinste Detail sichtbar und zeigen komplexeste Systeme in vermeintlich einfachen Zähnen. Weiter ging es mit Dr. Dr. Frank Sanner (Frankfurt am Main) und Atypischen Zahnschmerzen. Betroffene Patienten haben im Durchschnitt sechs Jahre Leidensweg und zahllose sinnlose Eingriffe hinter sich bis es zur Diagnosestellung kommt. Ein spezieller Anamnesebogen dazu ist über die DGET abrufbar und soll helfen atypische Schmerzen im Bereich der Kiefer und Zähne von endodontischen Problemen abzugrenzen und diese Patienten der richtigen Therapie zuzuführen. Den Abschluss machten Prof. Dr. Michael Hülsmann (Göttingen) und Prof. Dr. Edgar Schäfer mit Empfehlungen zur Wurzelkanalbehandlung bei Patienten mit schweren Allgemeinerkrankungen anhand von Fallberichten. Beide sprachen sich für eine single shot Antibiose vor Behandlung aus, wenn Patienten im selben Kieferabschnitt bestrahlt wurden oder Bisphosphonate einnehmen.

Dr. Matthias Bach/Bonn, Dr. Bernard Bengs/Berlin, Dr. Christine Theile/Düsseldorf
(mit freundlicher Genehmigung der DGET, Bericht leicht gekürzt und verändert)


Vorträge der DGPZM und der DGR²Z
In einem zweiten Podium wurden in Vortragsblocks der DGPZM und der DGR²Z Fragestellungen zum Biofilmmanagement und zu Hartgewebsdefekten aufgegriffen. Prof. Dr. Ali Al-Ahmad (Freiburg im Breisgau) hatte in seinem Vortrag den supragingivalen Biofilm im Fokus und gab Hinweise zur Bildung, Zusammensetzung und Pathogenität. Prof. Dr. Nadine Schlüter (Freiburg im Breisgau) knüpfte unmittelbar an diese Ausführungen an und zeigte die chemische Modifiktion des supragingivalen Biofilms auf.

Der Vortragsblock der DGPZM und der DGR²Z zum Thema "Innovationen für die Versorgung von Hartgewebsdefekten" hatte zunächst regenerative Aspekte im Auge. Prof. Dr. Matthias Hannig (Homburg/Saar) beleuchtete hier das Thema Schmelzregeneration und fragte, ob diese Verfahren bereits reif für die Praxis sind. Prof. Dr. Carolina Ganß (Gießen) widmente sich im anschließenden Vortrag der Hybridisierung nicht kariöser Dentinläsionen und schließlich fragte Prof. Dr. Markus Altenburger (Freiburg im Breisgau) "Kariesinfiltration - eine etablierte Methode in der Kariesprävention?" und gab wertvolle Tipps für die Praxis.


Workshops und Symposien
In der Workshopreihe am Donnerstagnachmittag mit Workshops der DGET gaben nationale und internationale Referenten, wie Prof. Martin Trope (Philadelphia/USA), den Teilnehmern Gelegenheit, sich verschiedene Herstellerkonzepte genauer anzusehen und zu testen. Parallel zum Hauptpodium fanden darüber hinaus am Freitag und Samstag Symposien statt, in denen unter anderem Fragestellungen zur Prävention, Kariesdiagnostik und Schmelzregeneration betrachtet wurden. 

Das Oral-B-Symposium drehte sich um das Thema "Schmerzempfindliche Zähne - lästige Überempfindlichkeit oder ernst zu nehmendes Problem?" Prof. Gernhardt und Prof. Roland Frankenberger (Marburg) hielten Vorträge zum Thema Hypersensibilität nach zahnärztlichen Eingriffen. Was hilft bei empfindlichen Zahnhälsen und wie zuverlässig? Nichtinvasive Maßnahmen wie die Fluoridierung oder Zahncreme mir Arginin und Kalziumkarbonat wurden ebenso besprochen wie das Verblocken der Dentinkanälchen durch Denaturierung von Kollagen mit Glutaraldehyd oder Laser. Um Hypersensibilität nach Restaurationen vorzubeugen empfahl Prof. Frankenberger vor allem Fehler bei der Versiegelung des freiliegenden Dentins zu vermeiden (the seal is the deal). Gerade bei kleinen Defekten im Randbereich sei eine Reparatur der Füllung dem kompletten Austausch vorzuziehen um nicht unnötig gesundes Dentin abzutragen und zu exponieren. (Auszug aus Kongressbericht von Dr. Matthias Bach/Bonn, Dr. Bernard Bengs/Berlin, Dr. Christine Theile/Düsseldorf)

In dem von CP GABA unterstützten DGPZM-Symposium waren "Effekte mechanischer Plaquekontrolle auf orale Gewebe - Folgen unsachgemäßer Zahnreinigung" Thema. PD Dr. Clemens Walter (Bern/CH) beschäftigte sich mit Fragestellungen zur Parodontahltherapie und zeigte Effekte von Pulver-Wasser-Gemischen auf orale Gewebe. Prof. Dr. Carolina Ganß stellte die Frage "Kann Mundhygiene schaden?" und zeigte den Zusammenhang von Zähneputzen und Tramata von Hart- und Weichgeweben.

"Diagnostik und Therapieentscheid bei Karies - Was zählt wirklich?" war der Schwerpunkt des DMG-Symposiums, in dem Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel (Aachen) zunächst akuelle Therapiekonzepte bei okkusaler und approximaler Karies aufzeigte. PD Dr. Falk Schwendicke (Berlin) hatte in seinem Vortrag dagegen die Kosteneffektivität von Kariesdetektionen und -therapie im Auge und stellte sich damit einer Fragestellung, die in der niedergelassenen Praxis auch eine große Rolle spielen muss. Ebenfalls in der Praxis immer wieder wichtig ist die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Patient. "Wie sage ich es meinem Patienten?" fragte daher PD Dr. Michael Wicht in seinem Vortrag über partizipative Therapieentscheidungen.

Das Wrigley-Symposium am Samstag widmente sich der "Praxis häuslicher Mundhygiene - Wunschvorstellungen - Realitäten - Chancen". Dabei standen zunächst Putztechniken zur Diskussion. Prof. Dr. Renate Deinzer (Gießen) stellte die Frage "Ist die BASS-Technik wirklich empfehlenswert?". Dr. Florian Wegehaupt (Zürich/CH) beleutete anschließend die Wirksamkeit von Zahnpasten auf Calciumphosphat-Basis und Anna Spyra (Burscheid) widmente sich den zuckerfreien Kaugummis, die immer noch eine unterschätzte Prophylaxemaßnahme sind.


Kurzvorträge und Poster
Mit 38 Kurzvorträgen und 22 Posterpräsentationen konnte das Kongressprogramm beeindruckend abgerundet werden. Junge Wissenschaftler konnten hier die ihre Studien präsentieren und dabei einen interessanten Überblick zum aktuellen Forschungsstand der für die Zahnerhaltung relevanten Bereiche geben. Aber auch niedergelassene Kolleginnen und Kollegen hatten im Forum "Aus der Praxis für die Praxis" die Gelegenheit, im Rahmen von Fallpräsentationen Themen aus der Praxis einzubringen.