Rückblick zur 3. Gemeinschaftstagung der DGZ vom 23. bis 25. November 2017 in Berlin

 

„Erhalte Deinen Zahn – Fakten, Kontroversen, Perspektiven“ war das Motto, das sich wie ein roter Faden durch den Hauptkongress der 3. Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET, der DGR²Z zog. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass das Konzept einer gemeinsamen Tagung mit allen Partnern des DGZ-Verbundes erfolgreich ist: mehr als 500 Teilnehmer fanden den Weg nach Berlin. Ihnen wurde ein vielfältiges Programm geboten, das von der DGZ und der DGET ebenso wie von der DGPZM und der DGR²Z gestaltet wurde.

Dem Hauptkongress vorgeschaltet war am 23. November 2017 zum zweiten Mal der DGZ-Tag der Wissenschaft/Universitäten, dieses Mal auf dem ehrwürdigen Campus der Charité Mitte in Berlin. Die Veranstaltung vermittelte einen sehr guten Überblick über die hochkarätige Grundlagenforschung in der Zahnerhaltung.

Traditionell bildet die DGZ-Jahrestagung ein Podium für die Vergabe von zahlreichen Preisen und Ehrungen im Rahmen der vielfältigen Förderprogramme der DGZ, der DGPZM, der DGR²Z und der DGET. Denn die Förderung von Wissenschaft und Forschung, aber auch des Engagements in der zahnärztlichen Praxis sind wesentliche Ziele des DGZ-Verbundes und findet auf den Jahrestagungen einen feierlichen Rahmen zur Würdigung der Gewinner.

 

 

 

 

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Programmflyer DGZ-Tag der Wissenschaft/Universitäten

Programmflyer Hauptkongress

Abstracs der Kurzvorträge und Poster (DZZ)

 

 

 

Bildergalerien



DGZ-Tag der Wissenschaft /Universitäten ...


3. Gemeinschaftstagung der DGZ ...


Preisvergaben und Ehrungen ...

 

Kongressbericht


DGZ-Tag der Wissenschaft/Universitäten vermittelte Grundlagenforschung in der Zahnerhaltung

Auf dem ehrwürdigen Campus Charité Mitte in Berlin fand am 23. November 2017 zum zweiten Mal der DGZ-Tag der Wissenschaft/Universitäten als Pre-Congress der DGZ-Jahrestagung statt. Die Veranstaltung vermittelte einen sehr guten Überblick über die hochkarätige Grundlagenforschung in der Zahnerhaltung.

Zwei Keynote-Lectures als Auftakt der Veranstaltung
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch zwei Keynote-Lectures, beide Vorträge waren geprägt von beeindruckenden elektronenoptischen Aufnahmen, die Einblicke in die Ultrastruktur der Zahnhartsubstanzen und in die Oberflächeninteraktionen an der Zahnoberfläche gewährten. Dr. P. Zaslansky aus Berlin befasste sich in seinem Vortrag vor allem mit dem Aufbau und der funktionellen Nanostruktur des Dentins sowohl unter statischen als auch unter dynamischen Bedingungen. Für ausgewählte Analysen hat seine Arbeitsgruppe sogar mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron, kurz DESY, in Hamburg kooperiert – die Teilchenbeschleuniger wurden im Dienst der zahnmedizinischen Forschung angewandt.

Im Vortrag von Prof. Dr. M. Hannig aus Homburg/Saar standen die Untersuchungen seiner Arbeitsgruppe zu Grenzflächenphänomenen und Oberflächeninteraktionen in der Zahnerhaltung im Mittelpunkt. Diese spielen bei Pellikel- und Biofilmbildung ebenso eine Rolle wie bei der Anwendung von Adhäsiven oder Zementen. Moderne analytische Verfahren (NMR, Proteomics) und elektronenoptische Verfahren sind unerlässlich für das grundlegende Verständnis dieser Interaktionen, die uns in der Mundhöhle und in der Zahnerhaltung permanent begegnen.

Bedeutung der Natur-/Ingenieurswissenschaften zeigt sich in vielseitigen Kurzvorträgen
Das breite methodische Spektrum der Kurzvorträge knüpfte direkt an die Keynote-Lectures an. Durchflusszytometrie, In-situ-Studien zur Pellikel, Röntgenspektroskopie, chromatographische Verfahren, Next-Generation Sequencing (Mikrobiomanalyse), optische Verfahren in der Kariesdiagnostik und Zellkulturuntersuchungen seien hier exemplarisch genannt.

Die vielseitigen Kurzvorträge wurden angeregt diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass innovative Forschung in der Zahnmedizin ohne enge Kooperation mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften nicht denkbar ist. An vielen Hochschulstandorten wird dies bereits intensiv umgesetzt, wobei die einzelnen Standorte spezifische Profillinien abdecken.

Gelungener informeller Abschluss vor außergewöhnlicher Kulisse

Abgerundet wurde der Tag durch ein Get-Together in der Hörsaalruine des Medizinhistorischen Museums der Charité Berlin. In diesen Räumen hatte Prof. Rudolf Virchow gelehrt. Bei gutem Essen konnte der wissenschaftliche Diskurs fortgeführt und vertieft werden. Ein besonderer Akzent war die Möglichkeit einer Führung durch das Berliner Medizinhistorische Museum mit anatomischen und pathologischen Präparaten aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert.

 

Positives Resümee nach der 3. Gemeinschaftstagung der DGZ mit der DGET, der DGPZM
und der DGR²Z

Wissenschaftliches Hauptprogramm mit Themen aus der Endodontie und der Kariestherapie

Nach einleitenden Worten durch Prof. Dr. Matthias Hannig (Homburg/Saar), Präsident der DGZ, und Prof. Dr. Christian Gernhardt (Halle/Saale), Präsident der DGET, standen im Rahmen der Hauptvorträge zunächst Themen aus der Endodontologie im Vordergrund. Prof. Dr. Norbert Gutknecht (Aachen) eröffnete den ersten Kongresstag mit seinem Vortrag „Laser in der Endodontie – Facts und Fiction?“ Sein Fazit: Laser ist ein nützliches Hilfsmittel in der Endodontie. Dr. Christoph Zirkel (Köln) betrachtete anschließend den mechanischen Gleitpfad aus einer klinischen Perspektive. Unter anderem kam er zu dem Schluss, dass sich dieser Gleitpfad mit neueren Instrumenten sicher und zeitsparend auch manuell herstellen lässt.

Im weiteren Verlauf des Hauptprogramms stand die Kariestherapie im Fokus. Prof. Dr. Reinhardt Hickel (München) stellte zunächst die Frage „Reparaturfüllung – minimalinvasive Option oder Pfusch“ und kam zu dem Ergebnis, dass ein die Zahnhartsubstanz erhaltendes Vorgehen Priorität haben sollte. Prof. Dr. Gabriel Krastl (Würzburg) referierte über Möglichkeiten und Grenzen bei der Vitalerhaltung des Zahns durch partielle Pulpotomie. Dabei präsentierte er Kriterien, wann die selektive Kariesentfernung und wann die partielle Pulpotomie die bessere Wahl ist. Kariesexkavation und Caries profunda Therapie standen schließlich in dem gemeinsamen Vortrag von Prof. Dr. Sebastian Paris (Berlin) und Prof. Dr. Roland Frankenberger (Marburg) im Brennpunkt. Dabei gingen die beiden Experten unter anderem auf Füllungstechniken, biologische Komplikationen und den Paradigmenwechsel hin zur selektiven Kariesentfernung in der Therapie ein. Letztlich ist und bleibt die Kariestherapie komplex, mit vielen Einzelschritten assoziiert und von multiplen, teils individuellen Faktoren abhängig. Eine perfekte und dichte Füllung ist eine conditio sine qua non für den dauerhaften Zahnerhalt.

Zum Themenschwerpunkt „Endodontie und Allgemeinerkrankungen“ konnte mit Ashraf F. Fouad DDS, MS (Chapel Hill, NC, US) ein international renommierter Referent gewonnen werden, der in seinem Vortrag „Endodontic Infections and Systemic Disease, can one influence the other?“ zunächst in einem systemischen Ansatz Zusammenhänge zwischen endodontischen Infektionen und anderen Erkrankungen aufzeigte. Anhand zahlreicher Publikationen beleuchtete er die verfügbaren Ergebnisse unterschiedlicher Studien und konnte zeigen, dass endodontische Infektionen möglicherweise einen Einfluss auf die allgemeine Gesundheit – kardiovaskuläre Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und ähnliches - betroffener Patienten haben können. In seinem zweiten Vortrag „Antibiotics in Endodontics“ ging Ashraf F. Fouad auf das kontrovers diskutierte Thema des Einsatzes von Antibiotika ein. Er stellte hier zunächst die antibiotische Therapie in den USA dar und widmete sich dann dem Thema der Resistenzen sowie neueren Erkenntnisse in der Anwendung. Sowohl allergische Reaktionen nach Antibiotikagabe als auch die Entwicklung resistenter Bakterien stehen nach wie vor den infektiösen Endokarditiden mit letaler Bedrohung gegenüber. Ashraf Fouad stellte klar, dass die Frage nach einer zwingend erforderlichen Antibiose in der Endodontie bezüglich aller Indikationen aktuell nicht abschließend geklärt ist.

Eine photoneninduzierte photoakustische Spülmethode, kurz PIPS, und deren Weiterentwicklung SWEEPS (Shock Wave Enhanced Emission Photoacoustic Streaming) standen im Vortrag von Giowanni Olivi MD, DDS (Rom, IT) zur Diskussion. Seine Auswertung von In-vitro-Studien ergab, dass diese weniger invasiven Techniken eine bessere Desinfektion ermöglichen. Im Anschluss widmete sich Dr. Eugenio Pedulla (Catania, IT) dem Thema „Traditional and heat-treated nickel – titanium instrumentation: how and when to use it“. Wärmebehandelte Instrumente sind erheblich flexibler als herkömmliche NiTi-Instrumente und weisen eine deutlich höhere Frakturresistenz gegenüber zyklischer Ermüdung auf. Dr. Pedulla sprach den flexibleren Neuentwicklungen eine hervorragende Eignung insbesondere bei der Wurzelkanalaufbereitung komplexer Kanalmorphologien mit starken und abrupten Krümmungen zu. Normales NiTi ist dennoch aus der täglichen Praxis als Standardinstrumentarium nicht wegzudenken. Dr. Helmut Walsch (München) beschäftigte sich damit, was sich in den letzten Jahren konzeptionell geändert hat in der modernen Endodontie. Sie passe sich seiner Erfahrung nach immer mehr der jeweils individuellen Kanalform an, wobei sich auch ovale Kanäle mit neuartigen Feilensystemen adäquat aufbereiten lassen. Dr. Dan-K. Rechenberg aus der Schweiz lotete anschließend aus, wie mittels konventioneller und molekularer Marker der Pulpazustand bestimmt werden kann. Den Schlusspunkt setzte Prof. Dr. Hendrik Meyer-Lückel aus Bern mit einer intensiven Auseinandersetzung zur „Kariesinfiltration“. Dieser vergleichsweise neuen Technik attestierte er eine gute Anwendbarkeit bei Initialläsionen, ebenso aber auch Grenzen etwa bei kavitierten Läsionen.

Symposien der DGPZM und der DGR²Z

Parallel zu den Hauptvorträgen gestalteten die DGPZM und die DGR²Z ihre Symposien mit eigenen Schwerpunkten. Um die Wechselbeziehung von Mund- und Allgemeinerkrankungen sowie um orale Nebenwirkungen von Medikamenten ging es in den Vortragsblocks der DGPZM. Dabei wurde der Zusammenhang von Krankheiten wie Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom oder Adipositas und Parodontitiden ebenso beleuchtet wie die Effekte von antiresorptiver Therapie auf die Mundgesundheit. Beim Thema „Medikamenteninduzierte Speicheldrüsenfunktionsstörungen“ wurde die große Belastung für Patienten deutlich, die aufgrund regelmäßiger Medikamenteneinnahme unter Mundtrockenheit leiden.

Im Forum DGR²Z standen zunächst ausgedehnte plastische Kompositrestaurationen und faserverstärkte Komposite auf dem Programm. Anschließend wurden Indikationen, Herstellungsverfahren und Langlebigkeit von direkten und indirekten Adhäsivbrücken betrachtet. Der aktuelle Kenntnisstand über Bulk-Fill-Komposite war ein weiteres Thema, wobei hier ein Schwerpunkt auf den Einsatzmöglichkeiten dieser heterogenen Materialgruppe lag.

Aktuelle und auch brisante Trends beim Industrie-Symposium der DMG

Im Symposium der DMG setzten sich drei Referenten mit Auswirkungen der Epidemiologie auf zukünftige Trends in der Zahnmedizin auseinander. Prof. Dr. Rainer Jordan (Köln) zeigte anhand von Beispielen aus Deutschland und den USA, wie sich Mundgesundheit in den beiden Industrieländern entwickelt. Mit der Früherkennung, Prognosen und therapeutischem Risikomanagement befasste sich anschließend Priv-Doz. Dr. Michael Wicht (Köln). Priv.-Doz. Dr. Falk Schwendicke (Berlin) nahm sich eines aktuellen und auch brisanten Themas an: Er zeigte auf, wie bei der zahnmedizinischen Versorgung benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Deutschland besser adressiert werden können.

Spezialistenforum mit Vorträgen aus der zahnärztlichen Praxis

Das DGZ-Spezialistenforum richtete sich mit praktischen Aspekten zu endodontologischen Verfahren insbesondere an allgemein zahnmedizinisch orientierte Teilnehmer. Dr. Ralf Krug (Würzburg) stellte das Therapiekonzept „Guided endodontics“ vor – eine sichere klinische Methode, um Wurzelkanäle gezielt zu lokalisieren und dabei Zahnhartsubstanz möglichst zu erhalten. Dr. Bernard Bengs (Berlin) zeigte in einem Fallbericht, wie die Spätfolgen eines Oberkiefer-Frontzahntraumas adäquat diagnostiziert und therapiert werden können. Als letzter DGZ-Spezialist stellte Dr. Jörn Noetzel (Mutlangen) Biofilmen von E. faecalis im Wurzelkanal die Effekte von Ozon, einem Diodenlaser und verschiedenen medizinischen Einlagen gegenüber.

Programm von und für Nachwuchswissenschaftler

Während des gesamten Kongresses fand eine große Anzahl von freien Vorträgen und Posterpräsentationen von Wissenschaftlern der universitären Standorte statt. Sie gaben einen Eindruck über die vielfältigen Forschungsaktivitäten im breiten Spektrum der Zahnerhaltung. Interessante Falldarstellungen und praxisnahe Behandlungskonzepte wurden im Forum „Aus der Praxis für die Praxis“ präsentiert.

Speziell an Nachwuchswissenschaftler adressierte das wissenschaftliche Seminar von Prof. Dr. Thomas Attin zum Thema „Erfolgreich präsentieren“. In anderthalb Stunden zeigte der Experte den Teilnehmenden, wie wissenschaftliche Vorträge, Poster und Publikationen ideal aufgebaut, gestaltet und dargestellt sowie typische Fehler vermieden werden können.